Zunft zun Metzgern, Schaffhausen
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Geschichtliches der Zunft
Der amtierende Zunftmeister
 
This Fehrlin


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  Die Zunftordnung von 1411 übertrug den Schaffhauser 12 Zünften und Gesellschaften die Rechte und Pflichten für die Entwicklung ihrer Vaterstadt. Diese Aufgabe wahrten sie bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit der Gründung des neuen Bundesstaates jedoch gingen sie dieser Privilegien verlustig. Damit schwand auch das traditionelle Zunftleben, das sich zum grossen Teil in den Trinkstuben der Zunfthäuser abspielte. In der Folge verscherbelten die Schaffhauser Zünfte grösstenteils ihre Zunfthäuser und das Zunftleben beschränkte sich während langer Zeit auf die Verwaltung des dadurch erworbenen Zunftvermögens. Diese Haltung hat sich zum Glück geändert. So wurde man sich wieder bewusst, dass das Heute nicht ohne das Gestern, die Neuzeit nicht ohne ihre bis ins Mittelalter reichenden Wurzeln sein kann. Als Dank an unsere Vorfahren gilt es deshalb, das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Zunft und das Zunftleben in bescheidenem Rahmen nicht nur zu pflegen, sondern sie auch lebendig zu erhalten, damit auch zukünftig, wie in den letzten sechs Jahren, immer wieder die Söhne unserer Metzgerzünfter den Weg zu uns in die Metzgerzunft finden. Aus diesem Grund hat die Schaffhauser Metzgerzunft ihre bisherigen Anlässe wie der jährliche Bott (nur für die Zünfter) und die mit einer Schifffahrt abwechselnde Herbstwanderung um einen Anlass erweitert, nämlich das Winteressen, zu denen auch die Witwen und ledigen Töchter eingeladen werden.
 
Verzeichnis der Zunftmeister
 
1490/1501 Hans Pfister 1672 Hans Thomas Forrer 1791 Johann Konrad Stierlin
1532 Georg Hildebrand 1676 Melchior Pfister 1792 Johann Balthasar Pfister, Bürgermeister 1803-1822
1565 Georg Hildebrand 1679 Heinrich Peter 1813 Johann Konrad Stierlin, Bürgermeister 1804-1825
1594 Daniel Forrer 1684 Emanuel Stimmer 1826 Johannes Meyer
1594 Hans Ulrich Hageloch 1687 Baltasar Bäschlin 1831 Georg Michael Stierlin, Regierungsrat
1608 Hans Thomas Habicht 1689 Hans Martin Stierlin 1856 Carl Friedrich Pfister -Spleiss
1611 Hans Konrad Weber 1690 Bernardin Pfister 1876 Albert Stierlin -Kesselring
1616 Michael Hagelloch 1691 Adam Erni 1886 Conrad Habicht-Oechslin, Stadtpräsident 1891-1893
1616 Hans Martin Forrer, Bürgermeister 1629-1638 (spendete den Forrer-Becher 1630) 1711 Melchior von Pfistern, Bürgermeister 1722-1736 (spendete diverse Becher, davon sind 2 erhalten geblieben) 1920 Albert Habicht –Kolb
1629 Hans Ulrich Hageloch 1722 Emanuel Stimmer 1943 Fritz Moser
1629 Emanuel Stimmer 1722 Hans Jakob Stierlin 1955 Oskar Bek
1629 Jakob Siegrist 1736 Balthasar Pfister, Bürgermeister 1749-1763 1963 Edwin Spleiss
1645 Melchior Pfister 1748 Heinrich Pfister 1967 Wolfram Fehrlin
1646 Heinrich Kuhn 1749 Melchior von Pfistern, 1762 abgesetzt 1979 Tobias Ermatinger
1652 Loy oder Ludwig Peter 1762 Johann Jakob Pfister 1991 Rolf Schmid
1655 Hans Georg Hageloch 1767 Johann Heinrich Pfister 1999 This Fehrlin
1664 Emanuel Stimmer 1790 Balthasar Pfister
 
Geschichte der Zunft zun Metzgern zu Schaffhausen
 

Am 10. Juni 1045 erhielt der Marktort „Scafhusun“ vom deutschen Kaiser Heinrich III. das Münzrecht1. In der Stadt herrschte Freiheit und zog daher schon bald zahlreiche Handwerker an. Schaffhausen erlebte im Hochmittelalter einen gewaltigen Aufschwung. Um auch in der Politik eine Rolle zu spielen, schlossen sich die freien Bürger zunächst zu religiösen Bruderschaften zusammen, da in einem Richtbrief aus dem Jahr 1281 die Zünfte noch verboten waren. Denn die Zünfte bedrohten die Alleinherrschaft von Adel und Kirche. Der Sieg der Zünfte war aber unaufhaltsam. In Zürich setzten sich die Zünfte 1336, in Konstanz 1342 durch.

Auch in Schaffhausen war diese Entwicklung unaufhaltsam. Bereits 1367 hatten die Bruderschaften 30 der 60 Ratssitze inne2. Der Adel erlitt in den Schlachten bei Sempach und Näfels schwere Verluste gegen die Eidgenossen und war dementsprechend auch politisch geschwächt. Nun wurden von den Handwerkern die Forderungen durchgesetzt. 1387 erzielten die Bruderschaften einen bedeutenden Erfolg. In den Grossen Rat (60 Mitglieder) konnte nun jeder gewählt werden. Damit war der Adel zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken3. Am 1. Juli 1411 wurde den Schaffhausern vom Friedrich von Österreich die Bildung von Zünften gestattet. Es wurden 11 Zünfte gebildet und die Herrenstube. Anstelle eines Vogtes trat nun ein Bürgermeister. Die 12 Zusammenschlüsse wählten ihren Zunftmeister und einen weiteren Mann aus ihren Reihen, einen der „Sechser“. Diese 24 Gewählten bildeten den Kleinen Rat von Schaffhausen4. 5 weitere gewählte „Sechser“ bildeten den Grossen Rat mit 84 Mitgliedern. Eine Gewaltentrennung existierte nicht, denn die Zünfte bildeten auch die Gerichtsbarkeit. Das Blutgericht (auch Vogtgericht genannt) bestand aus 12 Mitgliedern der Zünfte. Das Schultheissengericht, für niedere Streitfälle, aus 12 Zunftmitgliedern und 8 vom Grossen Rat Gewählten. Das Resultat: Die Zünfte beherrschten Wirtschaft und Politik vollständig.
Mit der Zeit kam das „Praktizieren“ auf. Man versuchte durch Geldgeschenke und ähnliches zu lukrativen Ämtern zu gelangen. 1618 wurde daher ein Eid eingeführt. Der Anwärter hatte zu schwören, dass er ohne Bestechung zum Amt gekommen war. Um den Zuwachs von Neubürgern zu verhindern, wurden die Einkaufsgbühren in die Zünfte ins Unermessliche gesteigert. Die Jagd nach Ämtlein führte zu den verwerflichsten Mitteln. Das korrupte System flog 1689 auf und wurde in der Folge durch ein Lossystem ersetzt.

Eine freiwerdende Stelle wurde unter den Zünften verlost. Ausserdem musste der glückliche Kandidat einen reichen Bürgen stellen. Das führte dazu, dass auch Unfähige in Ämter gelangten. Einige Amtsinhaber begannen ihr Amt gegen Bezahlung an den Meistbietenden zu überlassen. Der Ämterkauf wurde zum Ämterverkauf.
Erst die Revolution von 1798 machte der politischen Vorherrschaft ein Ende. Wirtschaftlich machten die Zünfte unentwegt weiter. Die Helvetik verschwand bald aus der Schweiz und die alten Zustände wurde teilweise wiederhergestellt. Die Zünfte und Gesellschaften waren wieder Wahlkörper. Der Kleine Rat bestand aus je einem aus den 12 Zusammenschlüssen und 4 weiteren Vertretern aus ihren Reihen. 4 Sitze erhielt Stein am Rhein5. Die Landgemeinden hatten nur im Grossen Rat Einsitz. 1831 wurde die neue Verfassung eingeführt. Doch schon 1834 wurde der Grosse Rat in freier Wahl bestimmt. Die Zünfte verloren daher stark an Bedeutung. 1847 verschwanden die Zunftversammlungen endgültig.

Die Metzger zählten zu den vermögendsten und politisch einflussreichsten Handwerkern der Stadt. Zu einer Metzgerzunft gehörten Metzger, Wurstmacher, Ärzte , insbesonders Feldärzte und Chirugen. Das Zunfthaus befand sich zunächst an der Oberstadt 16 (das Haus zum Steinbock) 6 1510 zügelten die Metzger in die heutige Metzgerstube am Fronwaagplatz 7. Dieses wurde erst 1857 verkauft. Heute befindet es sich wieder im Besitz eines Metzgerzünftlers. Die Zünfte spielten lange auch militärisch ein Rolle. Die Zünfte bildeten die taktischen Einheiten des Schafhauser Heeres. Jeder Zünftige hatte Waffen und Harnisch zu Hause in Bereitschaft zu halten.

1 M. und T. Harzenmoser: Zünfte und Gesellschaften der Stadt Schaffhausen, S: 10
2 M. und T. Harzenmoser: Zünfte und Gesellschaften der Stadt Schaffhausen, S: 11
3 R. Lang und A. Steinegger: Geschichte der Zunft zun Metzgern in Schaffhausen, S: 18
4 R. Lang und A. Steinegger: Geschichte der Zunft zun Metzgern in Schaffhausen, S: 18
5 R. Lang und A. Steinegger: Geschichte der Zunft zun Metzgern in Schaffhausen, S: 23
6 R. Lang und A. Steinegger: Geschichte der Zunft zun Metzgern in Schaffhausen, S: 118

 
Fotos unseres Zunftsilbers